Vitamine







 Vitamin“: aus dem Lateinischen vita = Leben und Amin.
Der Begriff bezog sich zunächst auf das als “lebensnotwendiges Amin” erkannte Thiamin (Vitamin B1). Er wurde später für alle Verbindungen ähnlicher Bedeutung beibehalten, obwohl diese in den meisten Fällen keine Amine sind.

Einige Vitamine kommen in der Natur als Vorstufen (Provitamine) vor und werden im tierischen Körper in die wirksamen Formen umgewandelt.

Hypovitaminosen (Vitaminmangel) sind Krankheiten und Beschwerden, die durch einen Mangel an Vitaminen entstehen. Aufgrund einer mangelnden Zufuhr von Vitaminen entstehen Stoffwechselstörungen mit typischen Krankheitserscheinungen. Beschwerden, die infolge von Hypovitaminosen auftreten, bilden sich in der Regel vollständig zurück.

Akute Vitaminmangelkrankheiten sind unter den europäischen Ernährungsbedingungen eine Seltenheit geworden. Isoliert kommt lediglich der Vitamin-B12-Mangel vor; eine allgemeine Folsäure-Minderversorgung führt in Deutschland (im Gegensatz zu inzwischen 60 anderen Staaten) bei einer Anzahl von Geburten zu Neuralrohrdefekten. Alle anderen Vitaminmangelzustände sind bedingt durch Fehlernährung, Resorptionsstörungen, Schwangerschaft, Krankheit oder bedingt durch Schäden, die infolge medizinischer Eingriffe entstanden sind.

Das vollständige Fehlen bestimmter Vitamine nennt man Avitaminose. Dies kann z. B. zu Skorbut oder Rachitis führen. Neben einer mangelnden oder fehlerhaften Ernährung kann ursächlich auch eine Zerstörung der Darmflora (nach Antibiotika-Einnahme), eine Störung der Vitaminresorption nach einer operativen Beseitigung eines erkrankten oder verletzten Darmabschnitts, wie die operative Entfernung des entzündeten Wurmfortsatzes des Blinddarmes, (Darmresektion).

Bei gesunder, ausgewogener Ernährung soll der tägliche Vitaminbedarf des Menschen vollkommen gedeckt sein.

Doch die Nahrungsmittel enthalten oft nicht genügend Vitamine, (allgemein Mikronährstoffe). Der Grund ist u. a. die industrielle Herstellung. Durch Verarbeitungs- und Konservierungsprozesse gehen Vitamine (Mikronährstoffe) verloren.

Außerdem hinterlassen geänderte Lebensgewohnheiten ihre Spuren. Bestimmte Faktoren und Situationen, die unser heutiges Leben bestimmen, erhöhen unseren Bedarf an Vitaminen und Mikronährstoffen allgemein:
• Leistungsdruck, Stress, Zeitmangel
• Umweltschadstoffe, sowie
• Einnahme von Medikamenten,
• Rekonvaleszenz,
• übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum,
• Fehl- oder Mangelernährung,
• Schwangerschaft und Stillzeit,
• Alter
• Sport
2019 wurde von den D-A-CH Fachgesellschaften – Fachgesellschaften für Ernährung in Deutschland, Österreich und der Schweiz – die 2. Auflage mit der 5. aktualisierten Ausgabe der „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“  herausgegeben. Neben den bereits in den Vorjahren überarbeiteten Referenzwerten für die Zufuhr von Vitamin D und Folat wurden in dieser Ausgabe – mit Bezug auf Vitamine – auch Referenzwerte für Vitamin C, Thiamin, Riboflavin, Niacin aktualisiert. So  gilt z. B.:
• für Vitamin C statt 75 jetzt rund 100 mg / d – Stärkung des Immunsystems,
• für Vitamin D statt 5 jetzt 20 μg / d – schützende Wirkung auf das Immunsystem und eine Hemmung der Zellteilung ,
• für Vitamin E aktuell 14 mg / d – Stärkung des Immunsystems, antioxidative Wirkung, gegen Arterienverkalkung,
• für Folsäure 300 μg / d, in der Schwangerschaft sogar 550 μg / d – Senkung des Homocysteinspiegels im Blut, d. h. Verringerung der Gefahr eines Herzinfarkts, von Bluthochdruck, Nierenversagen.

Neu ist es auch, dass bei Vitamin A kein separater Referenzwert mehr für β-Carotin angegeben wird. Hintergrund: Vitamin A umfasst neben β-Carotin eine Gruppe von Verbindungen mit Vitamin-A-Wirkung. Die zentrale Wirkform ist Retinol. Aus diesem Grund werden die überarbeiteten Referenzwerte als Vitamin-A in Retinol-Aktivitäts-Equivalente (RAE) angegeben.

Vitamine                                                Alter in Jahren
 15-19 19-25 25-51 51-65 65 und älter
                                             tägliche Zufuhr
A  µg RAE /Tag*
Frauen 800 700 700 700 700
Männer 950 850 850 850 800
D µg/Tag** 20 20 20 20 20
E mg/Tag**
Frauen 12 12 12 12 11
Männer 15 15 14 13 12
K µg/Tag**
Frauen 60 60 60 65 65
Männer 70 70 70 80 80
B1 Thiamin mg/Tag*
Frauen 1,1 1,0 1,0 1,0 1,0
Männer 1,4 1,3 1,2 1,2 1.1
B2 Riboflavin mg/Tag*
Frauen 1,2 1,1 1,1 1,0 1,0
Männer 1,6 1,4 1,4 1,3 1,3
B3 Niacin mg/Tag*
Frauen 13 13 12 11 11
Männer 17 16 15 15 14
B6 Pyridoxin mg/Tag*
Frauen 1,4 1,4 1,4 1,4 1,4
Männer 1,6 1,6 1,6 1,6 1,6
Folat µg/Tag* 300 300 300 300 300
B5 Panthothensäure mg/Tag** 6 6 6 6 6
B7 Biotin µg/Tag** 40 40 40 40 40
B12 µg/Tag** 4,0 4,0 4,0 4,0 4,0
C mg/Tag
Frauen 95 95 95 95 95
Männer 110 110 110 110 110
*    empfohlene Zufuhr
** Schätzwerte für eine angemessene Zufuhr

Hintergrund: Die neue Betrachtungsweise des Nährstoffbedarfs unter seinem präventiven und nutritiven Gesichtspunkt. Will man nur Mangelerscheinungen bekämpfen, d. h. Krankheiten vorbeugen, genügt im Grunde genommen schon die „geringste, kontinuierlich zuzuführende Nährstoffmenge, die bei nahezu allen gesunden Personen eine adäquate Ernährung gewährleistet”, (WHO-Definition für den Nährstoffbedarf)

Will man aber den im Laufe der Jahre aufgetretenen „Schäden“ entgegenwirken, dann sollte man eine etwas erhöhte Zufuhr „in Kauf nehmen“.
Eine Selbstmedikation ist jedoch keinesfalls angebracht, besonders nicht die Selbstmedikation mit den fettlöslichen Vitaminen A und D. Die fettlöslichen Vitamine können allesamt im Körper gespeichert werden. Das hat Vor- und Nachteile: Eine regelmäßige Zufuhr ist zwar aufgrund des Vorrats nicht unbedingt notwendig, allerdings kann sich dadurch ein mitunter gesundheitsschädlicher Überschuss bilden und zu Beschwerden führen.

Vitamine lassen sich in folgende Klassen aufteilen:
• fettlösliche Vitamine und
• wasserlösliche Vitamine